Am Anfang war die Lust…

MITTELALTEREY wer – wen; was – warum

Wisst ihr noch?
Am Anfang war die LUST. –am spielen, machen, musizieren am maskieren. Die Maske macht die Narren- FREIHEIT
Die Lust Leute zu verführen- zum staunen, hören, sehen, bewegen, tanzen auch zum denken über Zeiten und zeitGEISTer, zum b e -g r e i fen, riechen und spielend mal aus der Normalrolle trollen.
Wir ham` uns ausgetobt und ausgesponnen. Eingesponnen hat sich mancher auch in seinen gespinnsten; wie`s so geht. Da war die Spielwut – oft belächelt die romantischen Exoten. Doch oft im lächeln neben Überblichkeit auch Sehnsucht nach unserer –vermeintlichen(?) Freiheit, der Einfachheit, dem mut, zu machen was man kann und will; weil der Freudenbringung dient, der Aufmerksamkeitserregung und Anerkennung.
An dieser stelle werd` ich schwärmerisch und widme allen ein Gedicht. (Besonders aber meinem Vater, Werner Kießig, der künstlerische Ambition auch mit geschäftlichem erfolg verbinden konnte):

DES SPIELMANNS LOHN

Ist es nicht gleich dem Liebesspiel, mit dem geliebten Instrument sich darzubieten einem Publikum?
Und innig spielend Wonne zu empfinden doppelt mindestens. An eigner Sehelen – Körperkraft sich weidend ebenso wie an dem rausch den man in andern da erzeugt. Ein`n oder meh`re Musikanten noch dabei das macht es leichter nicht zwangsläufig doch steigert es die macht und die Erregung mit der Vielfalt die entsteht. Wenn dabei auch nicht sichtbar neues land erwächst, so findet sich doch gar manch Befriedigung und neuerliches leben ward des öftern schon im Schweiße da gezeugt. Drum steht nit an die Wirkung uns`rer Kunst auch preiszugeben. Beweget alle Glieder frei. seid maßlos in den Schwüngen und den Sprüngen, vom takte der Musik allein gehalten noch und offen allen guten Urgehwalten. Durchfliegt ihr Raum und Zeiten. Auch laut zu schreien und zu stöhnen sei euch nicht verwehrt; lasst alle Geister raus, die in euch wohnen. wenn vieles, was man lang als richtig wichtig uns hat eingebläut sich gar verkehrt, dann sind wir eine zeitlang eins und frei; und unser wütend spiel das wird sich lohnen. Liebe Leute, wir Gaukler richten unsere arbeit .nach unserem wissen, -gewissen(?), unserer Lust*, – nach können. und. dem Spielmannslohn: Beachtung, Applaus und Geld – nach euch! Die Könige aller Events des „Mittelalters“ sowie sonstiger spektakulärer Epochen seid allein ihr –das Publikum Ihr zahlt die zeche doch am ende – ob nun direkt an uns Spielleute ( in den Hut oder bei Eigenproduktion an der Kasse) oder über die Kasse des Veranstalters (und wenn er keinen eintritt nimmt, über die höheren preise der stände).

Was ist wichtig für ein „mittelalterliches“ SPECTACULUM – ein schickes Büro, gute PC- Kenntnisse und Telefonmarketing? – thematisches Wissen, praktisches können, künstlerischer Anspruch? Information! Wwwerbung… wwwweltweit wahrscheinlich- bis alles Disneylike verhübsch vereinnahmt ist. Dan aber, wenn schon keiner mehr dran denkt dann kommen wieder aus den Nischen und den Grüften Lemuren gleich die wirklich echten

Bei aller gebotenen Zuverlässlichkeit und Professionalität den Elan und die Ehrlichkeit des Ursprungs bewahren zu wollen, ist das naiv? Kreativität erwächst aus Spil-trieb, Seelenstärke, Innigkeit, Verbundenheit – mit sich selbst, den Partnern … , den Instrumenten, dem Publikum. Das Spiel mit der Historie, den Geschichten verhilft uns dazu, vergangene, gegenwärtige und zukünftige Utopien zu träumen, Freude an kraftvoller Einfachheit zu empfinden; Freude an Nähe mit anderen Seelen. Wirkliche Vertrautheit, Intimität, Vertrauen werden ebenso dynamisch abgebaut wie der Regenwald, fossile Energien und fruchtbarer Boden. Wir schaffen Lebensbedingungen, in die intelligente Maschinen besser passen, als es wirkliche Lebewesen können. Lohnt sich Leidenschaft/Begeisterung der Akteure? Fürs Publikum ? Man sollte meinen ja. Für den begeisterten Akteur ? Auf alle fälle- aber: Sie müssen zusammenkommen; sich zusammenfinden. Du Publikum entscheidest, wen und was du förderst. Der dichter sagte einst: „der Mensch lebt nicht vom Brot allein“. er sagte aber auch: „nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm“. So braucht der heutige Spielmann neben Brot und wärmender Behausung auch noch ein gutes Fahrzeug um zur rechten zeit am rechten ort mit allen Requisiten anzukommen. Und wenn sogar die huren steuern zahlen müssen, so bleibt auch er vom griff der staatsgewaltigen öffentlichen hand gar nicht verschont. Es ist ein Privileg, die Darbietung leidenschaftlicher, dem Publikum Aufmerksamkeit zollender Menschen mitzuerleben. Was ist es wert? Was ist es euch wert? Was ist überhaupt was wert? Was ihr zu sehen bekommt, ist die spitze des Eisbergs. Gute Ideen und ihre Verwirklichung brauchen zeit. Erfolgreiches nachzumachen oder nachzuahmen ist leichter. Ist vor- und nachgekautes leichter verdaulich? Nahrhafter bestimmt nicht! Wenn der hegelsche Satz : „Jedes Volk hat die Regierung die es verdient“ wahr ist, so lässt sich auch sagen: Jedes Volk (Publikum) kriegt was es verdient – bekommt geboten, was es sich bieten lässt! Schaun `wer mal !

Fortsetzung folgt – zum Thema:

Was ist typisch für Mittelalter? Feudale Willkür oder „göttliche“ Ordnung? Derbe oder romantische Sinnlichkeit?

Notiz:

Flucht spel bietet ungewohnte sicht- und Lebensweisen ausprobieren mir strahlt die morgensunne ins Gesicht, die Esel wärmen ihre schwänze, Behörden drohen mit Gericht, der Dudelsack spielt Tänze!

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Winteraustreiben – Zuerst: was für eine Überheblichkeit !

Akzeptabel allenfalls die Vorstellung man (mensch) könne den Frühlingsgeistern helfen
Heute versuchen wir den Winter- und folgerichtig auch Gevatter* Tod – sogar dauernd zu vertreiben. Selbst der harmlose Schlaf wird ungern geduldet. Dauernde extasy ist angesagt (Mephi feixt)
Energiefressende Geräte wärmen die Luft, Halogen und Krypton sollen uns das Dunkel erhellen. Wem das nicht reicht, der fliegt davon. Dennoch bleibt unser Leben endlich – eine endlose Abfolge von Zyklen.
Hell und Dunkel , warm und kalt,

Welch Glück!

Denn der Wechsel der Gegensätze, Unterschiede macht das Leben reich und tief, macht uns empfindlich und empfindsam erst.
So waren es sicher Freudenfeste und in der Hoffnung synergetischer* Effekte vollzogene Riten die das Ende des Winters begleiteten. Das wurde nicht allein den Schamanen überlassen, sondern es vögelten die Bauern auf dem von der Märzsonne erwärmten Acker um ihn mit ihrem Beispiel zu Fruchtbarkeit anzuregen. In einigen Gegenden hat dies wohl auch nach der Christianisierung noch vereinzelt oder gemeinschaftlich stattgefunden. Niedergeschlagen hat sich dies z.B. in den Geschichten von der Walpurgisnacht –Zaubertränke köchelnde Weiber, Nackte tanzen durchs Feuer, kopulierende Leiber allenthalben; schrecklich bemalte Gestalten mit gehörnten Masken, furchtbare Geräusche… Das kömmt mir doch irgendwie bekannt vor…?
Im Ernst: Es handelt sich um handfesten und sinnlich empfundenen Synergiezauber.
Da mögen auch mal Drogen im Spiel gewesen sein – das Kopfgehirn ein wenig zu besänftigen, die Geister aus dem Bauch sprechen zu lassen.
Die große „Begeisterung“ erreicht uns allerdings ohnedies mit dem Wiedererwachen der Natur. (im Freien befreit freien…)
So sollt` und wollte keiner sich enthalten mitzuwirken an Regsamkeit, Erwärmung, Freiheit, Fruchtbarkeit. Man freute sich an allem was das deutlich sichtbar werden lässt und sinnbildlich verkörpert: Hasen- schnelle Ficker und Werferinnen, Katzen lautstark und enthusiastisch Liebende, die Vögel- fleißig brütend, die Kröten auch in früher Zeit, denn auch sie sehr fruchtbare Mondtiere und natürlich – der Bock!
Da hätten wir sodann auch gleich die Hörner, obwohl die auch manch anderm männlich` Tier gut stehen. Stellt euch die Freude vor: Nach Monaten im dunklen engen Stall, nur kümmerlich genährt von Abfall, Heu und Stroh, zieht Hirt und Herde `raus zu frischem saft`gen Grün- geführt von Pan dem Ziegengott mit seiner Syrinx. (die orgelartige Panflöte aus dem Schilf in das die unwillige Nymphe verwandelt wurde.
Der wurde dann bekanntlich den Christen zum Bild des Teufels

Naja, is` schon geil so`n Ziegenbock!

Das Christentum kam in unsre germanischen Urwälder mit den Römern, die es aus dem Orient eingeschleppt hatten und es setzte sich zuerst in den römischen/romanischen Städten. Karl beschleunigte die Mission mit Mord und Totschlag flächendeckend auch im platten Land.
Zentralistisches Reich braucht zentralistische Religion. Oberflächlich hatte er Erfolg doch blieb dem biedern deutschen oder wendischen Landmann- auch der Landfrau (!)* und den Welschen – die religiöse Monokultur des alten Männergeheimbundes viel zu abstrakt.
So wurd es denn ein wenig aufgehübscht mit vielen bunten Heiligen, die konnten dann die zahlreichen, meist funktionsteiligen Götzen ersetzen.
Jedoch selbst das nicht ganz. Es blieb die wilde Jagd, Frau Perchta und Frau Holle (holde, Höhle, Helle, Hölle!) Es blieben Trolle, Elfen, Nixen…sie retteten sich in Märchen, „harmlose“ Bräuche und Kinderspiele.
Aus weisen Frauen, Hebammen, den Hüterinnen des Feuers und des Geheges, den Hagzassa aber, wurden Hexen
Es blieb das Feuer- Signal und Reinigung. Der Rauch er trug das Fett der Dankopfer zu den Göttern…
Feuer blieb; aber es wurde zum Qual- und Vernichtungsfeuer für alles, was den linkshirnigen Hierarchien unheimlich oder lästig war. Vielerorts wurde aus dem Frühlingstanz der Hagzassa die völlig widersinnige „Hexenverbrennung“. Ursprünglich vielleicht nur als Alibi der Obrigkeit gegenüber so genannt. Warum wohl sollte die Verbrennung einer Hexe(npuppe) den Winter vertreiben?
Aber auch bis heute erhielt sich z.B. in Thüringen und im Schwarzwald das Feuer-Sonnen- Rad*, der –Wagen, die Feuerkugel. Da zumeist, wo Männergesellschaften (Die waren nicht soo suspekt) den Brauch innehatten oder- haben.

Da stimmt es noch: Gemeinsam mit der Natur – hier mit der Sonne- rechtzeitig gleiches gleichnishaftes Tun befördert den gewünschten Vorgang- den Frühling.
Das Jahr, das Leben ist in Perioden gegliedert Besonders deutlich empfand -und -finden dies in der Regel die Frauen.
Als Trägerin der Frucht und Hüterin des Kleinkinds entwickelt die Frau feine Sinne. Sie spürt den Mond (Frau Luna)*, hört die Kräuter wachsen und die Unken rufen. In fast allen Kulturen ist Mond weiblich, mild, feucht, kühl und Sonne männlich, trocken, heiß.
Der Eintritt in eine andere Periode soll gefühlvoll und bewusst erlebt werden. Die überlebensnotwendige Einigkeit mit der Natur wird zelebriert.
Dazu dienen 1. die hermetischen (abgeschirmten, exklusiven) Zauberrituale im Kreise der Priester, Druiden ebenso wie 2. die öffentlichen- . Die münden meist in eine Feier oder Fest damit auch alle Anteil nehmen, – mittragen, teilhaben und so den gemeinsam ersehnten Effekt („heal the world“) verstärken.
Zuerst also die Eingeweihten, die aufgrund ihres über Generationen tradierten Wissens, den optimalen Zeitpunkt und die Programmabfolge bestimmen und dann die „Show“, oft mehrere Tage lang. Dabei werden die ja oft diffusen oder abstrakten Vorgänge als sinnbildliches buntes Spektakel dramatisch inszeniert. Schließlich soll auch noch der Dümmste eine Ahnung von der Bedeutung der Sache (des Brauches) bekommen. (Wer würde etwa den Frühlingsanfang bemerken? Bzw. jeder hat ein anderes Empfinden)
So haben weder animistisch*/heidnische, noch monotheistische* Priester es versäumt, ihre Inhalte in fesselnde action zu verpacken. Religion oder allgemeiner: Eine Botschaft (message „Philosophie“) braucht Bilder und Aktion um vom „ gemeinen Volke“ „begriffen“ werden zu können.

Ursprung des Theaters ist der Kult, das religiöse Ereignis.

Umgekehrt ist ein Event ohne Message -entweder Kitsch, also Vortäuschung von Gefühl, oder Sauerei.
Doch- natürlich hat auch das Suhlen in primitiven Gruppenaktionen Marke Ballermann einen archetypischen Kern der des kultischen nicht entbehrt.
Sich befreien von Konventionen, alles anfassen was dazu reizt, (der Reiz ist uns von Gott gegeben) mit Scheiße spielen, Lust an Lärm und Destruktion, Gebrüll befreiend schreien!
Das Spiel (die Gesellschaft) braucht Grenzen/Regeln und auch die Ausnahmen je exzessiver desto wirksamer. Verkehrte Welt, Saturnalien, Fastnacht, außerordentliche Zeit… Das ist ein Extrathema.
Markpunkte, Merkzeiten Unterbrechungen des Gleichmasses sind die wichtigen Feste. Genießet also den Winter wie auch seine heißen Abschiedsfeiern!
Ziehn alle wir an einem Strang, rolln wir das große Rad – zur rechten Zeit, wenn die Natur uns ruft und dann auch feurig – seinen Weg entlang!
Und Gott sei Dank, dass es die Zyklen gibt! EVOE ! *

* Gevatter = Geh-Vater, Pate bezeichnenderweise

* z.B. ein mit Stroh / Stoff umflochtenes Rad oder Strohballen wird entzündet und vom Berg hinab gerollt.

* Glaube an die Beseeltheit der ganzen Natur von lat. Anima – die Seele +Juden, Christen, Muslime

* Schlachtruf des Bacchusgefolges